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Der Strömer oder Strömling
Früher zogen die Strömerschwärme durch kleine Flüsse der Forellen- und Äschenregion. Heute ist dieser wunderschöne Fisch fast ausgestorben. Viele Fischer werden ihn nur mehr vom Hörensagen kennen, daher will ich ihn hier vorstellen.
AussehenDas ist ein kleiner Weißfisch, üblicherweise 14 – 18 cm lang, kann maximal 24 cm erreichen. Die Farben sind einfach prächtig, ganz besonders zur Laichzeit. Der Rücken glänzt stahlblau, die Flanken und der Bauch funkeln im Silberglanz, die Seitenlinie leuchtet orangegelb, alle Flossen sind gelblich und haben einen noch kräftiger gefärbten orangegelben Ansatz, besonders ausgeprägt sind die Farben der paarigen Flossen. Über der Seitenlinie liegt ein schwarzviolett glänzendes Längsband. Die Körperform ist schlank wie bei einem Hasel, der Fisch hat große Schuppen.
VorkommenDer Strömer liebt kräftige Strömung und hält sich im Mittelwasser oder über dem Grund auf, aber immer im Freiwasser. Obwohl er in der Salmonidenregion lebt, steigt er nicht einmal bis 900 m Höhe auf. Angeblich kam aber auch in einigen klaren Seen vor, z.B. früher im Bodensee. Das Verbreitungsgebiet des Stömers war nie sehr groß: Oberläufe und Zubringer von Donau, Rhein und Rhone, nördlichstes Verbreitungsgebiet dürfte der Oberlauf des Main gewesen sein. Weiters kommt er vor im Oberlauf der Theiss sowie in entsprechenden Flüssen in Nord- und Mittelitalien bis zum Tiber. Nach Ladiges und Vogt soll er auch am Peloponnes vorgekommen sein. Banarescu schließt die strömerähnlichen Kleinfische in Exjugoslawien und Albanien mit ein und kommt somit auf 10 Arten. Heute gibt es in den genannten Gebieten Mitteleuropas nur mehr ganz seltene isolierte Restvorkommen. In der Enns und ihren Nebenflüssen hatte es einen schönen Strömerbestand gegeben, es ist eine große Frage, was nach den Kormoraneinfällen davon überblieb. Gerd Richter beschreibt z.B., dass dieser Fisch in der Steiermark nur mehr im Einzugsgebiet der nördlichen Mur vorkommt. Honsig-Erlenburg hat in Kärnten Strömer in der Gail feststellen können. Das letzte dokumentierte östlichste Vorkommen war bis vor etwa 10 Jahren in der Stauwurzel des DoKW Greifenstein. In letzter Zeit konnte der Fisch dort nicht mehr gefunden werden. Es war ein Wunder, dass dort überhaupt Strömer vorgekommen sind, denn Prof. Jungwirth hatte bei vielen Untersuchungen festgestellt, dass schon geringfügige Regulierungsmaßnahmen zum Verschwinden führten.
Meine erste Begegnung mit Strömern hatte ich vor langer Zeit, ich werde etwa 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein, daher wird es im Jahr 1954 oder 1955 stattgefunden haben. Es war im Helenental oberhalb von Baden bei Wien. Die Schwechat hatte damals ein Bett aus schneeweißem Kies. Beim Schwimmen und Tauchen sah ich im seinerzeit kristallklaren Fluss einen Schwarm dieser prächtigen Fische. Mit der Handangel fing ich dann mit Brot als Köder 6 Stück, alle das gleiche Maß zwischen 16 und 17 cm. Selbstverständlich habe ich alle wieder ausgelassen. Heute ist der Schotter der Schwechat grau, kein Mensch kann sich mehr erinnern, wie rein dieser Fluss einmal gewesen ist und dass es dort Strömer gegeben hatte.
Man liest fallweise, dass Strömer und Schneider den selben Lebensraum bewohnen. Das stimmt so nicht. Es kann zwar vorkommen, dass diese beiden Arten parallel im selben Gewässerabschnitt leben oder besser gesagt früher gelebt haben, aber das sind Ausnahmen, nicht der Normalfall. So etwas kam z.B. in der Donau vor, solange es dort noch Strömer gegeben hatte. Der Strömer ist ein Fisch des Oberlaufes, vor allem der Äschenregion, der Schneider lebt hauptsächlich in der anschließenden Barbenregion. Strömer halten sich im Freiwasser der Strömung auf, Schneider dagegen in den Randzonen (das Verhalten der Schneider kann man in der Leitha bei klarem Wasser wunderschön beobachten). Nahrung Strömer leben nicht nur wie die Äschen, sie fressen auch Kleintiere wie die Äschen, hauptsächlich Eintagsfliegen- und Kriebelmückenlarven oder ähnliche kleine Beute. Laut Maitland fressen sie auch Kleinkrebse, in Seen sicherlich auch Plankton. Und wie Äschen oder Hasel fressen sie auch Oberflächennahrung, springen sogar wie Forellen danach. Wie mein Brotköder zeigte, dürften sie auch Pflanzennahrung fressen, wahrscheinlich aber nur in kleinem Maße.
Man liest immer wieder, dass der Forellenbesatz zum Verschwinden des Strömers geführt habe. Das war auf gar keinen Fall der alleinige Auslöser und sicher auch nicht die Hauptursache. Die Wanderungen dieser Fische wurden bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch die Wasserkraftwerke behindert. Jedes neue Wehr dezimierte den Lebensraum der Strömer weiter. Darüber hinaus zerstörten bereits geringfügige Regulierungen die lebensnotwendigen Habitate und Kinderstuben. Meines Erachtens gab dann die bundesweite Wasserverschmutzung von den 50er- bis zu den 70er-Jahren den Strömerbeständen den Todesstoß. Diese Ansicht kann ich mit der Tatsache untermauern, dass in der Fischa-Dagnitz seit Menschengedenken Forellenbesatz eingebracht wurde. Die Strömer verschwanden aus diesem Fluss aber erst mit der drastischen Qualitätsverschlechterung des Wassers, zusammen mit Äsche, Elritze, Koppe und anderen.
FortpflanzungDer Strömer ist ein Frühlaicher, die Laichzeit findet März bis Mai statt. Er benötigt das selbe Laichsubstrat wie die Nase – reine kiesige Strecken in sauerstoffreichem Wasser im Oberlauf. Wolfgang Hauer beschrieb, dass der Strömer in manchen Gewässern sogar gemeinsam mit der Nase gelaicht habe. Maitland schrieb, dass ein Weibchen 5500 bis 8000 Eier haben kann. Ich habe zwar nie einen Strömer seziert, aber diese Eizahl erscheint mir wesentlich zu hoch. Über den Laichvorgang und das Aufkommen der Jungfische gibt es kaum Untersuchungen, wir wissen überhaupt sehr wenig. Dieser Fisch droht zu verschwinden, bevor er noch richtig erforscht ist. Das hat der Strömer leider mit vielen anderen Fischen gemeinsam. Obwohl die bekannte Zuchtanstalt Kreuzstein nun bereits auch Strömer nachzüchtet, fürchte ich, dass das Problem damit nicht zu lösen sein wird. Da die Strömerschwärme so wie Äschen keine Deckung aufsuchen, wären sie heutzutage eine ideale Beute für die Kormorane.
Helmut Belanyecz |