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Die Seeforelle

 

Dieser sagenumwobene Fisch führt viele Namen: Illlanken, Lachs, Lachsforelle, Rheinlanken und Salfisch. Die Fische halten sich in klaren kalten Seen auf und kommen bis 1.800 m Höhe vor. Verbreitungsgebiet ist Skandinavien, Schottland, Irland und die Alpenländer. Viel früher glaubte man, es gäbe 2 Arten – die kleinere silbrig gefärbte sterile Mai- oder Schwebforelle, welche auch in Ufernähe gefangen werden konnte, und die laichfähige dunkle Grundforelle, welche in 40 m Tiefe gefangen wurde. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Forellen mit 2 oder 3 kg Gewicht noch nicht laichreif sein könnten. Heute wissen wir, die Schwebforellen waren trotz dieses Gewichtes noch untermaßige Jungfische.

 

Gibt es überhaupt Seeforellen?

Der altrömische Dichter Ausonius schrieb, die Seeforelle sei ein zweideutiges Wesen, noch nicht Salm, nicht mehr Forelle. Bis heute gibt dieser Fisch Anlass zum Grübeln. Mitte des 20. Jahrhunderts führte man vor allem in der Schweiz viele Versuche mit Bach- und Seeforellen durch. Es stellte sich heraus, dass die Erscheinungsform der Forellen auch stark vom Umfeld abhängt. Die Thesen schwankten im Laufe der Jahrzehnte hin und her. Von „es gibt gar keine Seeforelle“ bis zu „und es gibt sie doch“. Immer stand schon fest, dass es bei der „Bachforelle“ großwüchsige und kleinwüchsige Phänotypen gibt. Aber es gab keine wissenschaftliche Unterscheidungsmethode, selbst mtDNA-Untersuchungen zeigten keinen Unterschied. Das ist ein weitverbreiteter Fehler von uns Menschen. Häufig brechen wir mit den Erfahrungen unserer Vorfahren und glauben das Rad neu erfinden zu müssen. In diesem speziellen Fall fehlte uns in Wahrheit ein dementsprechend ‚feines’ Untersuchungsinstrument, wir leiteten davon ab, es gibt gar keine Seeforelle. Mit dem Multi-Locus-Test sind sogenannte „Mircosatelliten“ unterscheidbar. Und nun können wir großwüchsige und kleinwüchsige Formen sehr wohl auch wissenschaftlich unterscheiden. Heute hat man sich bei der Seeforelle auf die Formulierung „Ökotype“ geeinigt. Im Bodensee leben so wie in vielen anderen Seen sowohl Bach- als auch Seeforellen. Untersuchungen aus diesem großen See zeigten einiges. Dort laichen die Bach- und die Seeforellen im gleichen Zufluss und paaren sich auch. Unabhängig von den Bachforellen werden im Bodensee 2 Typen von Seeforellen beschrieben: mit braungoldener Färbung und roten Tupfen, also wie eine Bachforelle. Der zweite Typus ist silbrig. Das Abwandern in den See erfolgt in 2 Phasen. Die wie eine Bachforelle Gefärbten wandern einzeln im Sommer und Herbst in den See. Die silbrige Form führt die Abwanderung März bis Mai durch. Die Nachkommen der goldbraunen Bodenseeforelle können ganz unterschiedlich aussehen, sogar vom gleichen Elternpaar. Von bachforellenähnlich mit großen roten Tupfen bis regenbogenforellenähnlich: bronzebraune Seiten mit nur schwarzen Flecken, dafür ein roter Glanz auf Kiemendeckel und Flanke.

 

Unterschiedliches Aussehen

In anderen Seen sehen sie ganz anders aus. Häufig silbrig mit fast nur schwarzen Punkten wie ein Lachs, daher führt sie auch vielerorts fälschlich diesen Namen. Oder aber silbrig mit größeren braunschwarzen Flecken. Besonders große Exemplare sind gedrungen, Flanken häufig mit bleigrauem Glanz, schwarze Punkte und orangefarbene oder auch rostbraune Ringe. Aus manchen Seen ist ein nahezu schwarzes Laichkleid bekannt. Frühere Autoren beschrieben, dass die großen Exemplare im hinteren Kiefer eine doppelte Zahnreihe hätten. In manchen nordischen Seen sind silberfarbige Fische mit ausschließlich schwarzen Punkten möglich, dort gibt es gemäß der Angelliteratur sogar Bachforellen ohne Rot in der Färbung.

 

In unseren Alpen- und Voralpenseen wird dieser Fisch immer seltener, aber es gibt ihn noch immer. Mein Onkel aus Gmunden hatte mir erzählt, dass er die letzte große Seeforelle Ende der 40er-Jahre gesehen hatte. Ein Fischer hatte sie beim Schloß Orth aus dem Traunsee gelandet. Dafür sahen meine Frau und ich im Sommer 2003 an der Promenade in Gmunden eine riesige Seeforelle. Es war bereits dämmrig, der See beruhigte sich langsam nach einem stürmischen Tag, da sahen wir den Fisch knapp 15m vom Ufer. Die Forelle schwamm langsam parallel zur Promenade, kam dabei immer höher, bis wir sogar die Augen, die Schuppen und die Fettflosse klar sehen konnten. Der Fisch muss 1,30 m lang gewesen sein und wog sicherlich weit über 20 kg. Dann wandte sich die Forelle hinaus auf den See auf einen Schwan zu, ging in die Tiefe und damit verloren wir sie aus den Augen.

 

Fortpflanzung und Wachstum

Die Fische werden erst im 4. oder 5. Jahr laichreif. Laichzeit ist in der kalten Jahreszeit. Die Rogner haben 1000 - 2000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht, der Eidurchmesser ist 5 – 5,5 mm. Nach Forellenart werden die Eier im Schotter vergraben, die Entwicklungsdauer beträgt 400 Tagesgrade. Das Wachstum ist recht rasch, im 1. Jahr erreichen die Fische 15cm, im 2. Jahr 35cm und über 40 dag Gewicht, im 3. Jahr 53cm und bis zu 1,70 kg Gewicht und im 4. Jahr 68cm und 3,20 kg Gewicht. In diesen Stadien sind sie wesentlich gedrungener und schwerer als z.B. Huchen. Endmaß ist 1,40 m und 30 kg.

Die Seeforellen wandern zum Laichen mehrheitlich in die Seezubringer. Es sind aber auch Laichvorgänge aus Seeabflüssen bekannt. Der Laichakt kann sogar im See direkt erfolgen. Die Laichwanderung erfolgt unterschiedlich, in den großen Seen gibt es häufig 2 Formen, die Herbstwanderer und die Frühjahrswanderer. Die ortsansässigen Fischer kannten die Wanderzeiten genau und warteten gespannt darauf, genauso wie ihre Kollegen beim Lachsfischen. Heute werden die Seeforellen vor allem mit der Schleppangel gefangen, besonders in den Schweizer Seen ist das noch immer eine sehr geschätzte Technik. Dort rentiert sich diese Fischerei auch vom Zeitaufwand, denn außer den Seeforellen gibt es auch große und größte amerikanische Seesaiblinge. Die Berufsfischer schätzen die Seeforelle aber keineswegs, denn sie richtet im Netz einen viel größeren Schaden an als der Verkaufserlös bringt.

 

Gefährdung

Ohne unsere Hilfe wäre auch diese faszinierende Fischart in vielen Gewässern bereits ausgestorben. Die Gefahren sind vielfältig. In manchen Kärntner Seen hat der Hechtbesatz zum Rückgang der Seeforelle geführt. Europaweite Schädigungen sind Verbauungen der Fliessgewässer sowie Stauhaltungen. Auch moderne biologische Kläranlagen können die hormonartigen Stoffe nicht ausfällen, und die bedrohen die Keimfähigkeit aller Wassertiere und damit auch der Seeforelle. Kormoran, Gänsesäger und Graureiher machen Jagd auf die Jungfische in den Bächen, mancherorts auch schon der Otter. Die zurückwandernden Elterntiere und Smolts müssen durch die Kraftwerken und Turbinen. All das dezimiert die Bestände. Auch die Seeforelle wird in den meisten Seen nur durch Zucht und Besatz am Leben erhalten.

  

Helmut Belanyecz