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Die Schmerle oder Bartgrundel
Tatsächlich ist die Schmerle aber über sämtliche Gewässerformen verbreitet, sie kommt selbst in stehenden Gewässern vor, in klaren Seen, Altarmen, sogar in der Ostsee und den Haffen. Voraussetzung ist, dass das Wasser über das gesamte Jahr sauerstoffreich bleibt und die Wassertemperatur 18 Grad nur kurzfristig übersteigt. In nicht durch Abwässer verunreinigten raubfischfreien Niederungsbächen war die Schmerle früher sogar der Hauptfisch. Bis ins 19. Jahrhundert wurden Schmerlen gemeinsam mit Gründlingen und fallweise Koppen unter der Sammelbezeichnung „Grundeln“ auf den Märkten krügel- und seidelweise als geschätzte Speisefische verkauft.
AussehenUnterständiges Maul mit 6 Barteln, 4 unter der Schnauzenspitze und je 1 in den Mundwinkeln. Die hoch am Kopf liegenden Nasenöffnungen sind röhrenförmig verlängert. Im Gegensatz zum verwandten Steinbeißer haben Schmerlen keinen Dorn hinter den Augen. Der Körper ist walzenförmig, am Schwanz abgeflacht. Die Färbung ist sehr variabel: Der Rücken kann von braunschwarz über schwarzgrün bis braun sein, die Seiten sind heller und in klaren Gewässern häufig marmoriert, der Bauch ist hell, meistens cremegelb, helle erkennbare Seitenlinie. Im trüben Wasser oder bei hellem Kiesgrund sind die Farben manchmal viel blasser, dann hebt sich die Seitenlinie allerdings kaum ab. Der Fisch hat ganz kleine und dünne Schuppen, die Beschuppung ist am Vorderteil des Körpers unvollständig. Auch die Seitenlinie ist manchmal nicht vollständig. Schwanzflossenrand gerade oder ganz schwach eingebuchtet. Üblicherweise sind diese Fische 9 bis 12 cm lang, Maximalgröße knapp unter 20cm, die Rogner sind am größten. Schmerlen werden 5 bis 6 Jahre als, im Extremfall auch 8 Jahre.
Lebensraum Die Bartgundel zieht seichte Gewässerstrecken vor. Im rhithralen Bereich häufig mit Elritzen und Gründlingen vergesellschaftet. Die Literatur sagt aus, auch mit Koppen. Nach meinen Beobachtungen versteckt sich die Schmerle wohl gerne unter Steinen und Wurzelwerk, steht dort aber eine Koppe, vertreibt diese die Schmerle sofort mit Drohgebärden wie Flossenspreizen, ungestümem Hin- und Herfahren und sogar Angriffen. Die Bartgrundel oder Schmerle ist sehr empfindlich gegenüber Wasserverunreinigungen. Die Fische sind standorttreu und wandern üblicherweise kaum 500 m weit. Ganz selten wandert ein Exemplar weiter, überhaupt weiteste bekannte Entfernung waren aber beinahe 10 km. Kommt in Europa fast überall vor, aber nicht auf der Iberischen Halbinsel, damit auch nicht in Nordafrika (Steinbeisser kommen dagegen bis Marokko vor), nicht in Schottland, möglicherweise auch nicht in der Bretagne. Weiters kommt die Schmerle nicht vor: im nördlichen Dänemark, Norwegen, dem größten Teil Schwedens, südlich des Pogebietes in Italien, Dalmatien, Albanien sowie im südlichen Griechenland. Über die östliche Verbreitungsgrenze gibt es Auffassungsunterschiede. Lelek z.B. nennt den Ural als Grenze, Banarescu sieht das Verbreitungsgebiet quer durch Asien bis zum Pazifik. Die meisten Autoren schließen sich ihm an. Das ist auf jeden Fall auf die große Zahl von Schmerlenarten im Orient und in Asien zurückzuführen.
FortpflanzungLaichzeit ist je nach Wassertemperatur April bis Juni. Beide Geschlechter haben dann Laichausschlag vor allem an Brust- und Bauchflossen in Form von 5 Knötchenreihen. Eigröße zirka 1 mm. Maitland schrieb und andere übernahmen es, dass ein Rogner 500.000 bis 800.000 Eier hat. Das kann nur ein Druckfehler sein. Knaack schreibt, dass ein Weibchen bis zu 6.000 Eier haben kann. Diese Eimenge erscheint mir plausibel. Schmerlen laichen auf vielerlei Art und Weise ab. Knaack beschreibt, dass die Männchen mit Beginn der Balz eine erhöhte Aktivität zeigen. Sie schwimmen ruckweise über den Boden, richten sich auf den Brustflossen auf und krümmen den Körper fallweise S-förmig. Durch dieses Verhalten werden die Weibchen angelockt. Das Männchen nähert sich ruckweise und rammt das Weibchen seitlich, oft beteiligen sich mehrere Männchen. Ein Männchen versucht die durch den Laichausschlag raue Brustflosse unter den Bauch das Weibchens zu schieben und sich fest an sie zu pressen. Die Beiden schwimmen dann in Spiralen blitzschnell zur Oberfläche, das Weibchen innen, das Männchen außen. Sie springen dabei über die Wasseroberfläche, die Laichprodukte werden ausgestoßen, das Paar kehrt zum Grund zurück und beginnt von Neuem. Das ist wie gesagt ein sehr schneller Vorgang, denn bei 30 cm Wassertiefe brauchen sie vom Grund mit der Spirale bis zum Sprung aus dem Wasser nur 2 Sekunden. Knaack zählte bis zu 19 Paarungen. Waidbacher beschrieb, dass sich der Rogner gefolgt von einigen Milchnern durch Wurzelwerk durchzwängt und die Laichprodukte dort sozusagen abgestreift werden. Eine noch andere Form des Ablaichens habe ich selbst schon beobachten können. Die Fische lagen auf dichtem Flutenden Hahnenfuss und laichten dort ab. Die Forellen hatten das mitbekommen und lauerten auf die Schmerlen. Natürlich gingen die Forellen unter diesen Voraussetzungen leicht an den Haken. Fischerkollegen deuten das Phänomen irrtümlich ganz anders: „Es waren Sternstunden, die Forellen jagten so wild, dass die ‚Koppen’ auf die Wasserpflanzen geflüchtet waren.“ Muus und Dahlströhm beschreiben Brutpflege durch das Männchen. Obwohl es kein anderer Autor erwähnt, stimmt es. Erfolgreiche Aquarianer können das bestätigen, meistens bewacht das Männchen das Gelege. Die Brütlinge schlüpfen nach 7 Tagen. Sobald der Dottersack aufgebraucht ist nehmen sie bereits lebende Beute, z.B. kleinste Nauplien. Die Jungfische wachsen sehr schnell, die Laichreife kann bereits im 2.Lebensjahr erreicht werden.
VerhaltenDie Fische sind vor allem nachtaktiv. Die Nahrung besteht aus Kleintieren und Detritus. Fischeier schätzen sie sehr. Trotzdem ist die Schmerle in Salmonidengewässern ein ausgesprochener Nützling, denn sie frisst die Eier und Brütlinge von Aitel und Hasel, beides Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten von Äsche und Forelle.
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