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„Böse“
Namen, interessanter Fisch
Otto Schindler beschreibt, der Fisch heißt auch Schlammpeißer, Bißgurrn, Mißgurre, Wetterfisch und Moorgrundel. Wetterfisch, weil er angeblich vor Gewittern sehr aktiv ist. Außerdem wird er auch Furzgrundel genannt, aber das wagte man vor 50 Jahren nicht zu schreiben. Im östlichen NÖ gibt es den Namen Murölli. Wissenschaftlich heißt dieser Fisch Misgurnus fossilis, und zwar seit Linné. Ich kenne leider noch keine Namensforschungen seitens Dr. Regina Petz-Glechner zum Thema Schlammpeitzger, aber interessant wäre das auf jeden Fall. Bißgurrn ist sicherlich nicht keltischen Ursprungs. Aber die Römer trafen hier bei uns Kelten an, also woher stammt der lateinische Name? Aussehen & Verbreitung Der Fisch wird in Osteuropa als bis zu 50cm lang beschrieben, bei uns wird er 15 bis 25cm lang. Mit 20cm habe ich schon welche gesehen. Schlammpeitzger sind langgestreckt, der Körper ist walzenförmig, nur in der Schwanzregion zusammengepresst. Die kleinen Schuppen fallen in der schleimigen Haut überhaupt nicht auf. Der Fisch ist bräunlich, der Rücken dunkel, darunter läuft ein helles Längsband, dann entlang der Seitenlinie wieder ein Band in Rückenfarbe, der Bauch ist wieder heller, gelbbraun oder ockerfarben, in der Laichzeit orange. Entlang der unteren Flanke hat er nochmals ein dunkles Band oder auch zwei Bänder, aber viel dünner als das Band entlag der Seitenlinie. Außerdem hat er viele Punkte in den hellen Bereichen. Durch diese Längsbänder und Punkte wirkt der Fisch dunkel. Die Flossen sind braun, allerdings heller als der Rücken und weisen viele schwarze Punkte auf. Rund um das kleine Maul sitzen 10 Barteln, 6 am Oberkiefer, 4 kürzere am Unterkiefer. Diese Barteln streckt der Fisch nach vorne. Immer wieder hörte ich, dass gefangene Schlammpeitzger mit dem engen Maul zwicken könnten. Mich hat nie einer gezwickt. Sein nächster Verwandter ist der Steinbeißer. Auch der verfügt über Darmatmung und beide haben bewegliche Schädelknochen. Mit der Schmerle sind sie nicht so nah verwandt. Das Verbreitungsgebiet des Schlammpeitzgers dehnt sich von Nordwestfrankreich bis zum Wolgabecken aus. Der Fisch kommt nicht vor: in der Bretagne, der Normandie, in Britannien, in Irland, in Dänemark und dem restlichen Skandinavien sowie in Nordrussland. Auch südlich des Donaueinzugsgebietes kommt der Fisch nicht vor. Am ehesten sieht man Schlammpeitzger bei Abfischungen mit dem Netz. In Norddeutschland nannte man sie Speileringe. Wurden Hechte in Hecht-Schleiensee gefangen und gehältert, dann würgten sie manchmal gefressene Schlammpeitzger aus.
Fortpflanzung Das Laichverhalten wurde von Knaack ausführlich beschrieben. Das Männchen hat auch auf den Brustflossen einen Laichausschlag. Er schiebt diese Flosse unter des Weibchen und beide schwimmen zur Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Dann umschlingt er sie soweit möglich, sie schwimmen im Kreis und verteilen die Eier, die auf den Wasserpflanzen kleben bleiben. In der Literatur findet man immer wieder, der Schlammpeitzger hätte bis zu 150.000 Eier. Das ist maßlos übertrieben. Knaack führt an, die größten Weibchen haben bis zu 10.000 Eier, Schindler schreibt, bei 20cm langen Schlammpeitzgern zählte er 3.200 Eier. Die Larven haben außenliegende Kiemen. Das hat kein anderer Fisch bei uns, aber wir kennen das von Lurchlarven, z.B. von den Froschkaulquappen. Zweifelsfrei ist das eine Anpassung an schlechte Sauerstoffverhältnisse im Wohngewässer.
Lebensweise & Gefährdung Heute ist der Schlammpeitzger extrem selten. Kaum ein Fischer hat ihn jemals in freier Natur gesehen. Das lieg daran, dass seine Wohngewässer zerstört wurden. Denn dieser Fisch bevorzugte seichte, verschlammte und verkrautete Augewässer, die nur gelegentlich überflutet wurden. Den Tag verbringt er hauptsächlich im Schlamm vergraben, erst mit Beginn der Dämmerung verlässt er sein Versteck und ist die ganze Nacht hindurch aktiv. Er frisst Kleinlebewesen des Grundes und hat eine gewisse Vorliebe für kleine Schalentiere. Es macht ihm wenig aus, wenn die Lebensbedingungen in seinem Gewässer unfreundlich werden. Erstens hat dieser Fisch außer den Kiemen auch eine ausgeprägte Hautatmung, die man nur noch mit dem Aal vergleichen kann. Damit kann der Schlammpeitzger immer noch genügend Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen. Wird auch dieser Sauerstoffgehalt zu nieder, dann schluckt unser Fisch an der Oberfläche Luft und presst sie in den Darm. Der Sauerstoff wird über die Darmschleimhaut aufgenommen, die verbrauchte Luft presst er dann über den After aus. Daher stammt der Name Furzgrundel. Auf diese Art kann der Schlammpeitzger zumindest einige Zeit extrem hohe Wassertemperaturen mit Sauerstoffknappheit überleben. Und fällt sein Wasserloch dann völlig trocken, kann er einige Zeit sogar bis zu ½ Meter im Schlamm vergraben überdauern. Außer ihm kann das nur noch die Karausche. Einige Autoren trauen dem Schlammpeitzger auf diese Art ein Überleben bis zu einem Jahr zu. Auch das erscheint mir übertrieben. Das ÖKF hat bereits mehrfach erwähnt, dass die meisten Augewässer zerstört wurden. Von 1887 bis 1986, also in 100 Jahren, wurden in Österreich 82.138 ha Feuchtgebiete trockengelegt. Man wollte damit ein 10. Bundesland dazugewinnen. Da facto hatte man nur erreicht, dass über 90% unserer Feuchtbiotope vernichtet wurden. Und von 1986 bis jetzt wurden trotz aller Beteuerungen noch genug weitere Augewässer ruiniert. So ist es kein Wunder, dass kaum jemand mehr einen Schlammpeitzger gesehen hat. Ein Beispiel: vor fast 60 Jahren befand sich beim Wiener Praterstadion noch ein großes seichtes Schilfgebiet. Als Kinder sind wir dort herumgewatet und haben Schlammpeitzger mit der Hand gefangen. Dieses Gebiet wurde dann bald zugeschüttet, um Parkplätze zu schaffen. Die letzten Gewässer im Wiener Prater, die noch für Schlammpeitzger prädestiniert wären, sind das Krebsenwasser und das Lusthauswasser. Aber da wurde vor kurzem höheren Orts entschieden, auch diese Gewässer austrocknen zu lassen. Die offizielle Ansicht ist, für Wasservögel reichen feuchte Wiesen… Die Donauauen östlich von Wien sind das größte Augebiet Österreichs. Dort fällt der Grundwasserspiegel permanent um etwa 4cm pro Jahr. Viele Gewässer fallen im Gegensatz zu früher bereits im Herbst trocken. Immer mehr Wohngewässer des Schlammpeitzgers verschwinden. Niemand merkt es, dass dieser Fisch sehr gefährdet ist.
Helmut Belanyecz
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