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Nackthalsgrundel
Eine neue Fischart in der Donau

 

Im Verlauf von mehr als 40 Jahren sind nach und nach vier Meergrundelarten in der Donau bei uns registriert worden – die Marmorierte Grundel, die Kessler-Grundel, die Syrmangrundel und vor wenigen Jahren erst die Schwarzmundgrundel. Nun informierte uns Dr. Christian Wiesner von der Uni für Boku, dass er an Hand der vorliegenden präparierten Fische eindeutig festgestellt hatte, dass es sich bei diesen Exemplaren nicht um Syrmanngrundeln sondern um Nackthalsgrundeln handelt. Ich will daher die Nackthalsgrundel (Neogobius gymnotrachelus) als eine bei uns neue Art näher vorstellen.

Der Fisch wird maximal 17 cm lang und lebt im Schwarzen Meer und im Brackwasser der Flussmündungen. Wie alle Meergrundeln hat diese Art zwei Rückenflossen, eine abgerundete Schwanzflosse, die Bauchflossen sind zu einer Saugscheibe zusammengewachsen. Der Kopf ist stumpf und gedrungen, der Fisch wirkt daher nicht so schlank wie andere dieser Familie. Das Maul ist breit, aber der Maulspalt reicht nur bis unter die Augen. Die Augen sind sehr groß, sitzen ganz oben am Kopf und stehen dicht beisammen. Die Grundfärbung ist grau mit gelblichem Ton, auf den Flanken befinden sich dunkelbraungraue Streifen, welche sich vom Rücken entlang den Seiten schräg nach vorne ziehen. Am Nacken, auf der Kehle, den Kiemendeckeln und dem Brustflossenansatz sind keine Schuppen – daher der Name. Auf der Wange sitzen 3 deutliche Streifen.

Die Nahrung sind Kleinkrebse und sonstige Kleintiere des Grundes, aber auch kleine Fische. Ein Weibchen kann bis zu 1.500 Eiern mit einem Durchmesser von 2mm legen, das Männchen bewacht das Gelege. Interessant ist auch die Aussage der meisten Literatur, nämlich, dass der Fisch nicht weiter als bis in das Donaudelta aufsteigt. Tatsächlich sind diese Fische regelmäßig bis zur bulgarischen Stadt Ruse zu finden, das ist 400 km von Mündung entfernt. Derzeit herrscht die Theorie vor, dass diese Art im Balastwasser von Schiffen zu uns gekommen ist. Die These hat einen kleinen Schönheitsfehler. Zum Zeitpunkt als diese Fische bei uns erstmals vereinzelt registriert wurden,  war Krieg in Jugoslawien, die Donaubrücken in Serbien waren zerstört und blockierten lange Zeit die Donau. Ich will das nur als Denkanstoß einbringen.

Ich halte es übrigens für wahrscheinlich, dass früher oder später auch die Flußgrundel (Neogobius fluviatilis) bei uns festgestellt wird. In der ungarischen Donau und im Plattensee ist sie zumindest seit dem Jahr 1972 dokumentiert.

 

Helmut Belanyecz