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Die Karausche
In weiten Teilen Österreichs ist sie unter dem Namen Goresl bekannt. Dieser Fisch ist in den meisten Gewässern recht selten, das fällt aber leider kaum auf, denn die Karausche wird häufig mit dem Giebel verwechselt.
Die normale Karausche kann über 40 cm lang und 2 kg schwer werden, der bekannte Ichthyologe Berg beschreibt, dass er in Russland Karauschen bis zu 5 kg Gewicht vorgefunden hat. Karauschen haben keine Barteln, die lange Rückenflosse ist nach außen gebuchtet (beim Giebel ist sie konkav, also nach innen gebuchtet), der erste lange Strahl der Rückenflosse ist fein gesägt. Goresln sind prächtig gefärbt: bronzebraun mit goldenem Schimmer, manchmal mit grüngoldenem Ton, Rücken dunkler, der Bauch strahlend goldgelb bis orange. Die Flossen können einen roten Ton haben. Die Bronzefarbe des Körpers kann sogar in einen dunklen Kupferton übergehen, das führt soweit, dass die verbuttete Hungerform fallweise dunkelrot sein kann. Wichtig: vor der Schwanzflosse haben Karauschen einen dunklen Fleck (der fehlt bei Giebeln). Die Seitenlinie verläuft gerade, erreicht aber manchmal nicht den Schwanzstiel, kann auch unterbrochen sein. Solche Unterbrechungen der Seitenlinie sind am häufigsten bei der Hungerform. Geographische Verbreitung: Es gibt viele Theorien über die Verbreitung. Nach dem Fischforscher Banarescu ist die Kaurausche in Europa bis einschließlich England ursprünglich heimisch. Nicht kam sie vor in Wales, Irland und Schottland, der Normandie und der Bretagne, in Norwegen, in Mittel- und Südfrankreich und in Spanien, sowie im Rhonegebiet und in Italien. Trotzdem sollte man erwähnen, dass die Kümmerform „humilis“ Anfang des 19. Jahrhunderts in Sizilien entdeckt worden war. Auch an der östlichen Adriaküste kam die Karausche ursprünglich nicht vor, genauso wenig wie in Griechenland und der südlichen Türkei. In Sibirien breitet sie sich bis zur Lena aus, fehlt damit in China. Auch im Aralseegebiet ist dieser Fisch im Gegensatz zum Karpfen nicht heimisch. Regionale Verbreitung: kleine Aulacken sowie träge Tieflandflüsse wie March und Raab, kommt aber auch in der schnell fließenden Donau vor. Dieser Fisch war immer schon selten, durch viele Einflüsse (Regulierungsmaßnahmen, Verbauungen, Schwermetalle im Wasser, etc.) gehen die Bestände drastisch zurück. Es gibt aber zum Glück seltene Ausnahmen: im Figurteich (einem Landschaftschutzgebiet an der Thermenlinie) kommt die Karausche ausgesprochen häufig vor. Dieser Fisch bevorzugt dicht verwachsene kleine Augewässer, die gelegentlich überflutet werden. Den Lebensraum teilt er sich mit Schleie, Schlammpeißer, Moderlieschen und seit 20 Jahren mit dem Giebel. Karauschen haben den geringsten Sauerstoffbedarf von allen unseren Fischen, sie können in schlammigen Löchern und im Schlamm vergraben sogar einige Zeit das Austrocknen ihres Gewässers überleben. In der kalten Jahreszeit halten sie am Grunde ihres Gewässers ebenfalls im Schlamm vergraben eine Art Winterschlaf. Bei Wassertemperatur knapp vor dem Gefrierpunkt und Sauerstoffmangel stellt sich ihr Organismus auf anaerobischen Stoffwechsel um. Trocknet das Wasser im Winter aus, können sie im Schlamm vergraben sogar einfrieren, ohne das sie Schaden leiden (solange die inneren Organe nicht durchfrieren).. In der Literatur findet man häufig, dieser Fisch frisst hauptsächlich Pflanzen. Der Darm ist 2 ½ mal so lang wie die Körperlänge, das weist aus, dass dieser Fisch auch ausschließlich mit Pflanzennahrung auskommen kann. Dann ist das Wachstum allerdings viel langsamer. Als Jungfische sind sie Planktonfresser. Trotz des nach oben gerichteten Maules fressen sie später Kleintiere des Grundes. Bis zur Größe von 30 cm macht in Teichen allerdings Plankton 80% ihrer Nahrung aus. Sogar in Wildgewässern nehmen sie fallweise Oberflächennahrung, wie ich mich einmal beim Schwärmen von fliegenden Ameisen überzeugen konnte. Das Wachstum ist langsam, im Bereich der Donau erreichen sie üblicherweise 20 – 25 cm in 10 Jahren, in Zuchtteichen wachsen sie schneller. Bei perfekten Bedingungen können sie dort in 4 Jahren 26 cm und 40 Dekagramm erreichen. Aber auch unter natürlichen Bedingungen ist das Wachstum von Gewässer zu Gewässer ganz unterschiedlich, hängt vom Nahrungsangebot und der Wassertemperatur ab. Die beste Zuwachsrate ist im Frühjahr bei einer Mischkost aus Grundorganismen und Plankton. Bei uns werden Milchner üblicherweise nach 3 Jahren mit 8 bis 15 cm laichreif, Rogner ein Jahr später, außerdem sind die Rogner bei gleichem Alter größer. Die Eier haben einen Durchmesser von 0,8 bis 1,2 mm. Laichvorgang setzt bei einer Wassertemperatur über 18 Grad Celsius ein, das kann daher von der Witterung abhängig von Mai bis Juli sein. Die Weibchen schwimmen in Seichtzonen mit starkem Wasserpflanzenbewuchs, die Männchen folgen ihnen. Das Laichspiel ist sehr lebhaft, das Ablaichen erfolgt unter starkem Geplätscher in der dichtesten Vegetation. Rogner können bis zu 400.000 Eier haben, im Durchschnitt aber viel weniger. Die Eistückzahl ist selbstverständlich von der Fischgröße, aber auch vom Wohngewässer abhängig. Zwei Beispiele: in polnischen Seen hat ein Rogner mit 35 Gramm 700 Eier, ein Rogner mit 350 Gramm über 80.000 Eier. Im Ilmensee in Russland haben die Fische mehr Eier, dort hat ein Rogner mit 350 Gramm rund 150.000 Eier. Der Laich wird über einen längeren Zeitraum in 3 bis 5 Raten abgesetzt, die orangen Eier kleben an den Wasserpflanzen. Ebenfalls von der Temperatur abhängig schlüpfen die 4,0 bis 4,9 mm langen Brütlinge nach 3 bis 7 Tagen. Eier und Larven sind sehr widerstandfähig. Karauschenlarven haben entlang dem Flossensaum und am Dottersack ein gut ausgeprägtes Atmungssystem, angepasst an die in ihren Wohngewässern oft schlechten Sauerstoffbedingungen. Mit der Klebedrüse am Kopf hängen sie sich an den Wasserpflanzen an und zehren den Dottersack auf. Ist der aufgebraucht, füllen sie als erstes an der Oberfläche die Schwimmblase, wenig später machen sie in Schwärmen bereits Jagd auf Plankton. Die als erstes Geschlüpften können im Juli bereits 15 mm Länge haben, im Herbst bis zu 4 cm. Im Gegensatz zu anderen Weißfischarten kreuzen sich Karauschen in der freien Natur nicht mit anderen Arten, die einzige Ausnahme ist der Karpfen. Diese Kreuzungen haben entweder keine oder nur 2 schwache Barteln, früher wurden solche Fische sogar irrtümlich als eigene Art angesehen. 87% der Hybriden sind Milchner, die meisten sind unfruchtbar. Damit sorgt die Natur für die Reinhaltung der Art. Die Karausche wird immer seltener. Dieses Schicksal teilt sie mit der Schleie. Man muß wieder mehr Überschwemmungsgebiete schaffen, in den kleinen Autümpeln werden sich die Karauschen wieder ausbreiten. Und man muß die bestehenden kleinen Augewässer im Herbst abfischen und die Jungkarauschen in größere Gewässer umsetzen – denn als Reiher- und Entenfutter sind Karauschen zu schade. Das gilt vor allem für die Nationalparks in den Auen. Denn wir Fischer retten die Fischbrut in unseren Gewässern Jahr für Jahr. Helmut Belanyecz
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