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Der Huchen (Hucho hucho)
Der Fisch heißt auch Donaulachs, Huch (‚Huach’), Heuch, Hüchel oder Rotfisch. Anders als die Forelle hat er einen zwar langgestreckten, aber walzenförmigen Leib, der Kopf ist allerdings flacher, bei jungen Tieren direkt hechtähnlich. Die Oberseite des Fisches ist grünlich dunkelbraun oder blaugrau gefärbt, der Bauch silberweiß, die Farben gehen allmählich ineinander über. Kopf und Rumpf sind mit kleinen dunkelgrauen oder schwärzlichen Punkten besetzt, zwischen denen, besonders auf dem Scheitel, dem Rücken und den Kiemendeckeln, größere schwarze Flecken stehen, die teilweise auch halbmondförmig sein können. Die Flossen haben keine Punkte. Bei alten Fischen haben die Flanken einen Rotton.
Die Huchen leben in der Äschen- und Barbenregion. In Österreich hatten wir vor Jahren nur mehr vier Flüsse, in denen selbsterhaltende Huchenbestände vorgekommen sind: die Drau, die Gail, die Mur und die Pielach. Mittlerweise ist die Situation besser, u.a. gibt es auch in der Ferschnitz, Mank, Melk und in anderen Flüssen wieder schöne Bestände. Im Donaustrom kommt er in der Wachau und östlich von Wien vor. Huchen beziehen sogar Standplätze in der Fischaufstiegshilfe des DoKW Freudenau. Da es Huchen dort im Strom sichtlich noch gefällt, hat man vor einigen Jahren in der Donau, der Schwechat und der Fischa mit einem Besatzprogramm begonnen. So sicher wie das Amen in der Kirche wird aber ein Großteil der Junghuchen von den Kormoranen gefressen. Das war auch der Grund, weshalb der Fischereiverein Korneuburg mit seinem Huchenbesatzprogramm in der Donau aufgehört hat. Wenig Bekanntes: Im Tropensommer des Jahres 2003 hatten sich die Fliessgewässer aufgeheizt. In der Pielach versammelten sich große Schwärme von Huchen völlig entgegen ihren Lebensgewohnheiten in einigen wenigen Tumpfen. Prof. Jungwirth hatte das Mysterium schnell gelöst. In diesen Kolken traten am Flussgrund Grundwasserquellen aus, dadurch war das Wasser viel kühler. Abgesehen von dem obigen Ereignis führen Huchen manchmal auch außerhalb der Laichzeit respektable Wanderungen durch, aber die Ursachen sind uns nicht geläufig. In der Donau steht er im Sommer weit draußen in der Strömung. Heutzutage ernährt er sich dort hauptsächlich von Barben. Im Winter verschwinden die Barben in den Wintereinständen, dann kommen die Huchen näher zum Ufer und somit können sie auch eher gefangen werden. Der Huchen wird zwar von den Glochidien der Flussperlmuschel ebenfalls als Wirt angenommen, doch ist er dafür lange nicht so gut geeignet wie die Bachforelle. Heute wird dieser Fisch ausschließlich mit der Spinnangel oder mit der Flugangel gefangen. In früherer Zeit wurde er hauptsächlich mit dem Gerer (einer Stoßharpune) gestochen oder sogar mit der Büchse geschossen. In hellen Nächten fuhren die Fischer die Alpen- und Voralpenflüsse mit Zillen stromab. Die ausgewachsenen Huchen kannten keine Angst, daher konnte das Boot sogar über sie hinweg fahren. Die großen dunklen Fische hoben sich deutlich vom hellen Schotter ab, sodaß der Rest ganz einfach war. Das weiße Fleisch war allerdings nicht so geschätzt wie Forelle oder Lachs. Als die Natur noch in Ordnung war, zählten Nasen zur Hauptnahrung der Huchen. Aber gefressen wurde alles, selbst Wasservögel. Auf jeden Fall dürften Wasserratten zu seinem regelmäßigen Nahrungsspektrum gehören. In Fischamend war der letzte Huchen im Jahr 1966 gefangen worden. Er wog zirka 7 kg, mein Vereinskollege Walter Travnik hatten ihn mit einem lebenden Köderfisch am Hechtzeug in der Fischa-Dagnitz unterhalb der Kiermannsegg-Brücke erbeutet. Der Laichakt ist im Buch „Angewandte Fischökologie an Fliessgewässern“ von Prof. Jungwirth et. al. wunderschön beschrieben (dieses Buch ist übrigens ein „Bestseller“ in der ÖKF-Bibliothek). Die Fische führen zwischen Ende März und Anfang Mai Laichwanderungen durch, u.U. auch über größere Strecken. Huchen suchen immer wieder „traditionelle“ Laichplätze in den Zubringern auf, die sogenannten „Huchenriebe“. Die großen Fische verlieren jegliche Scheu, manchmal versammeln sich bis zu 10 Paare. Der Rogner sucht überströmte Schotterstellen mit 0,5 bis 1m Wassertiefe auf, die bevorzugte Wassertiefe ist 60cm und die bevorzugte Strömung ist mit 0,60m/sek ähnlich wie bei der Äsche. Die Rogner schlagen wie alle Salmoniden Laichgruben, diese weisen einen Durchmesser von 50 bis 200cm auf. Häufig werden 2 Laichplätze nahe hintereinander angelegt. Die Eier haben einen Durchmesser von 4,5 bis 5,5mm, steigt mit der Fischgröße. Kleinere Fische haben etwa 1.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht, Große können >50% mehr haben. Der Schlupf erfolgt nach 2 bis 3 Wochen, die ideale Wassertemperatur liegt zwischen 8 und 11°C. Die Jungfische jagen bereits mit einer Größe von 3cm Fischbrut, wie ich mich an der Fischa überzeugen konnte. Die Wachstumsrate hängt von der Gewässergröße und damit vom Nahrungsangebot ab. Schindler beschreibt die Zuwachsrate wie folgt: 1.Jahr 20cm/70 Gramm, 2. Jahr 39cm/54dag, 3. Jahr 56cm/1,6kg, 4. Jahr 72cm/3,4kg. Trotz des schnellen Wachstums sind Huchen damit schlanker als z.B. Seeforellen. Junghuchen sehen auch nicht wie Forellen aus, sondern eher „dürr“ wie kleine Hechte. Je nach Alter haben sie unterschiedliche Lebensräume: Große (über 70cm) stehen in den Gumpen der Flüsse, mittlere halten sich in den „Schüssen“ auf, während kleine in den Seichtstellen der Furten zu finden sind. Milchner werden meistens mit 4 Jahren geschlechtsreif, Rogner 1 Jahr später. Trotzdem wurden im 19. Jahrhundert Huchen lange vor der Geschlechtsreife entnommen, verschiedene Autoren beschrieben damals, dass dieser Fisch mit 2kg laichreif wäre. Die Maximalgröße hängt von Nahrungsangebot und Gewässergröße ab. Bei einer Flussbreite von 5 bis 10m kann der Huchen 10kg erreichen, u.U. sogar 15kg, bei Flussbreiten von 20 bis 100m kann der Fisch aber 30kg schwer werden. Noch Größere sind heute schon sehr selten. Im Jänner 2004 war in der Drau ein Kapitaler mit 35,1kg gefangen worden. Der Huchen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Fischer unter Führung der Wissenschaft, in Österreich allen voran Prof. Jungwirth, in Bayern Dr. Harsanyi, durch unermüdlichen Einsatz und unermüdliche Hege auch extrem gefährdete Arten erhalten. So erfolgreich erhalten, dass sogar wieder eine verantwortungsvolle Fischerei auf diese Fische möglich ist.
Helmut Belanyecz |