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Der Bitterling
Dem Namen nach ist dieser kleine Fische sehr bekannt. Aber
ich bin sicher, dass ihn viele Fischer noch nie gesehen haben. Er ist zu klein,
um mit der Angel gefangen zu werden. Und heute ist er in vielen Gebieten
Bitterling gar nicht bitterOtto Schindler führt für unseren Fisch folgende Namen an: Schneiderkarpfen, Bauernkärpflein, Bitterfisch, Blecke, Burghoferl, Kobausch, Pille, Plättken, Plätteln, Weberle und Wittfisch. Bei uns in Österreich und vor allem in Ostösterreich heißt er Banghoferl. Dr. Regina Petz-Glechner betont zwar ausdrücklich, dass sie noch keine Namenforschung beim Bitterling betrieben hat, aber sie hält eine Wortverwandtschaft von Banghoferl und Bankert (außereheliches, auf der Bank abgelegtes Kind) für möglich. Darauf werde ich weiter unten zurückkommen. Bitterling soll dieser Fisch wegen seines angeblichen bitteren Fleisches heißen. Manche Autoren schrieben, dass ihn deshalb sogar Raubfische verschmähen würden. Das stimmt nicht. In manchen Gegenden wurden Bitterlinge früher sogar gegessen. Siehe z.B. „Geschichten aus dem Waldkochbuch“ von Franz Schuster im „Angelhaken“ 2/2007, der Zeitschrift des AFV-Graz. Bitterlinge sind kleine Fische. Die Bestände bestehen fast nur aus Ein- und Zweijährigen. In diesem Alter sind sie 2,5 bis 3,5cm lang ! Mit einer Größe von 4,5 bis 5cm sind sie seltene Riesen und Methusalems. Unterschiedliche Autoren beschreiben Maximalgrößen bis zu 8cm, manche sogar 10cm, erfahrene Aquarianer halten das für übertrieben und geben 7cm als größtes Maß an. Dazu müssen diese Fische aber 8 Jahre alt werden. In freier Wildbahn erreichen sie so ein Alter praktisch nie. Das Aussehen richtet sich nach dem Lebensraum, im Fließwasser sind sie schlanker, in stehenden Gewässern hochrückig wie Karauschen. Das führte früher irrtümlich zur Beschreibung verschiedener europäischer Arten. Bitterlinge sind sehr variabel. Während andere Fische je nach Art eine bestimmte Schuppenanzahl haben, werden beim Bitterling die Schuppen mit dem Wachstum bis zum Doppelten mehr. Dasselbe gilt für die Flossenstrahlen, auch der Darm wird prozentuell mit dem Wachstum des Fisches wesentlich länger und ist wie eine Uhrfeder spiralig eingerollt. Die Seitenlinie erstreckt sich über wenige Schuppen des Schwanzstiels. Außerhalb der Laichzeit sind die Fische so wie andere Weißfische silberglänzend, am Schwanzstiel befindet sich allerdings ein grünblau irisierendes Band. Zumindest die niederösterreichischen Bestände haben einen roten Punkt im Auge.
In Fernost kommt unser Bitterling und noch 39 weitere Bitterlingsarten vor. In Mitteleuropa gibt es nur diese eine Art. Und tausende Kilometer dazwischen gibt es keine Bitterlinge (wie man heute weiß, entstand die Trennung durch die Eiszeiten). Deshalb hat man früher das europäische Vorkommen Rhodeus amarus und die gleiche Art in China Rhodeus sericeus genannt. So findet man es noch in der meisten Literatur, leider sogar in der „Roten Liste Österreich“. Holcik und Jedlicka stellten 1994 mit den Methoden der modernen Wissenschaft fest, dass die fernöstlichen und die europäischen Bestände dieser einen Art vollständig ident sind. Daher benutzen sie den Namen Rhodeus sericeus auch für die europäischen Bestände. Es wird einige Zeit dauern, bis das überall durchgesickert ist. Fortpfanzungs-SpezialistenDass Bitterlinge ihre Eier in lebenden Muscheln verstecken, ist der Wissenschaft erst etwa 100 Jahre bekannt. In der Broschüre beschrieb ich das Bekanntwerden präzise. Aber wenn die These von Dr. Regina Petz-Glechner stimmt (Banghoferl : Bankert), dann würde das bedeuten, dass unsere Vorfahren schon viel früher wussten, dass Bitterlinge ihre Eier anders ablegen. Bitterlinge sind bereits mit einem Jahr fortpflanzungsfähig. Nur drei Muschelarten kommen als Amme in Frage. Erstens die Malermuschel (Unio pictorum), zweitens die Aufgeblasene oder Dicke Flussmuschel (Unio tumidus) und drittens die Schwanenmuschel oder Große Teichmuschel (Anodonta cygnea). Das schreiben übereinstimmend Roule 1925, Berg 1949, und andere. Das Bitterlingsmännchen sucht eine Muschel aus und bewacht sie. Dabei entwickelt das Männchen ein farbenprächtiges Hochzeitskleid, das tropische Zierfische in den Schatten stellt. Dem Weibchen wächst eine Legeröhre. Mit Urindruck werden ein oder mehrere Eier (meistens zwei) mittels der Legeröhre in den Kiemenraum der Muschel „geschossen“. Das Männchen stößt danach seine Milch aus, die von der Muschel eingeatmet wird. Die Fischlarven entwickeln sich im Kiemenraum der Muschel und sind somit vor allen Fressfeinden geschützt. Das führte in früheren Zeiten zu riesigen Bitterlingsschwärmen. Durch die überall vorhandene Wasserverschmutzung wurden die Muscheln steril und starben aus. Auch die Bisamratte dezimiert die Muscheln. In der Folge verschwanden die Bitterlinge aus immer mehr Gewässern. Fundamentalisten wollten dem Raubfischbesatz die Schuld geben. Das sind diese seltsamen Versuche, immer und überall den Fischern die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sogar jetzt im Zuge des „Fisch des Jahres 2008“ behaupten deutsche Froschschützer, dass der Bitterling die Kaulquappen des Laubfrosches fressen würde und somit verantwortlich für den Rückgang der Laubfrösche sei. Das zeigt von unsäglichem Unwissen. Bitterlinge fressen kleinste Pflanzen (Faden- und Kieselalgen!) und winzige Tiere wie Kleinkrebslarven, kleine Insektenlarven und Tubifex. Bittere ZukunftUm den Bitterling zu erhalten, ist vielerlei notwendig: Die Gewässerverschmutzung muss aufhören. Kläranlagen allein sind zuwenig. Es dürfen keine Schadstoffe mehr eingebracht werden. Weiters, die Flüsse müssen wieder mit dem Auland vernetzt werden, nur dann können sich wieder die verschiedenartigen Nebenarm- und Altarmsysteme bilden. Und das ist für alle unsere Arten bitter notwendig. Denn der Bitterling ist nur ein Indikator dafür, wie es um alle unsere Fischarten bestellt ist.
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