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Die Europäische Angler-Allianz E.A.A.
Warum ist die Arbeit in Brüssel so wichtig? Eigentlich zu wenig Unterstützung Erfolge trotz beschränkter Ressourcen
Die Europäische Angler-Allianz ist die Interessensvertretung der Anglerorganisationen Europas bei der EU in Brüssel und Strassburg. Sie ist als solche von der EU-Kommission und vom EU-Parlament offiziell registriert und anerkannt. Als Verein ist die EAA in Strassburg registriert. Sie unterhält ein ständiges Büro in Brüssel, geleitet von unserem "Lobbyisten" Jan Kappel, mit fallweiser Unterstützung durch temporäre Hilfskräfte. Damit ist die EAA die einzige Organisation, die im Rahmen der EU die Interessen von Millionen Anglern in ganz Europa vertritt, sowohl Süßwasserangler wie Meeresangler. Die EAA versteht sich als Zusammenschluss von nationalen Dachorganisationen der Anglerschaft, und zwar nur der Angler. Ihr Hauptzweck ist die Interessensvertretung im Rahmen der EU, es gibt keine wie immer geartete Einflussnahme auf die Aktivitäten der nationalen Verbände (allerdings, und das ist in der Praxis sehr wichtig, es gibt sehr wohl regelmäßige Kontakte und Informationsaustasuch zwischen den Länderorganisationen).
Die Idee zu einem Zusammenschluss der Angler auf europäischer Ebene geht schon auf die Jahre vor 1990 zurück. Die formelle Gründung erfolgte allerdings erst 1994 im Rahmen einer festlichen Generalversammlung in Brüssel. Nicht ohne Stolz können wir darauf hinweisen, dass das ÖKF übrigens - obwohl wir damals selbst erst zwei Jahre existierten - zu den Gründungsmitgliedern zählt.
Bilder und Text aus der EAA-Image-Broschüre 1995
Die aktuellen ordentlichen Mitglieder sind Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Großbritannien, Holland, Irland, Lettland, Norwegen, Schweden, Schweiz, Slowenien und Österreich. Weitere Länder wie Kroatien, Mazedonien und Tschechien haben derzeit Beobachterstatus. Eine wesentliche Partnerschaft besteht mit dem Verband der Europäischen Angelgeräteindustrie (EFFTA), der auch zur Finanzierung beiträgt. Neben der jährlichen Vollversammlung gibt es mehrere spezielle Arbeitgruppen, zum Beispiel für Meeresangler, Süßwasser und die Taskforce Kormoran, in dieser hat das Vorstandsmitglied des ÖKF Dr. Franz Kohl den Vorsitz. Fallweise unterstützen einige (wenige) Anglervertreter Jan Kappel bei der Arbeit in den diversen EU-Beiräten. WARUM IST DIE ARBEIT IN BRÜSSEL SO WICHTIG? Die Angelfischerei hat eine jahrhundertelange Tradition. In Österreich ist sie als Teil der Landeskultur gesetzlich verankert. Als Angler haben wir einerseits die Pflicht zur Hege und Pflege der Gewässer und der Fischbestände. Andererseits haben wir (in Österreich - nicht überall!) auch historisch gewachsene Rechte - Uferbetretungsrecht, Recht auf Besatz, Parteienstellung in Wasserrechtsverhandlungen, Selbstverwaltung bei der Bewirtschaftung unserer Reviere. Wir sind überzeugt, dass sich die Angelfischerei für die Gewässer und Fischbestände positiv auswirkt. Ohne uns wären viele Gewässer schlichtweg fischleer. Allerdings wissen wir alle, dass es Gruppen gibt, die andere Ziele verfolgen. Es gibt Gruppen, die in Hinblick auf gesicherte Energieversorgung möglichst jeden Millimeter Wasser für die Stromerzeugung verbauen möchten. Es gibt Gruppen, die einen absoluten Schutz vor Hochwasser wünschen. Es gibt Gruppen, die jeglichen Fischbesatz als eine Verfälschung der autochthonen Fauna ablehnen und verbieten möchten. Es gibt Gruppen, die möglichst viele Uferzonen frei von Menschen und Fischern haben möchten, damit sich Flora und Fauna ungestört entwickeln können. Es gibt Gruppen, die mehr fischfressende Tiere und weniger Angler haben möchten. Es gibt Gruppen, die Fischen für Tierquälerei halten und Angeln überhaupt verbieten möchten. Jede dieser Gruppen ist überzeugt, gute und ehrenwerte Gründe zu haben. Und wie überall, je einseitiger und partikularistischer die Sichtweise, umso lautstarker wird sie vertreten.
Inzwischen ist wohl allgemein bekannt: Mindestens 60 bis 80 % aller neuen Gesetze werden eigentlich schon in Brüssel gemacht. Und im Umweltbereich sind es wahrscheinlich überhaupt schon 100%, wo die EU die Richtlinien vorgibt und die einzelnen Länder dürfen nur mehr an den Detail-Formulierungen herumfeilen. Um nur ein paar der Materien zu erwähnen, die uns Angler betreffen: · Wasserrahmenrichtlinie (für die Gewässer prinzipiell positiv, aber wir müssen kämpfen, damit sie nicht zugunsten der E-Wirtschaft verwässert wird) · Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (inklusive Natura 2000) · Vogelschutz-Richtlinie (Kormoran, Gänsesäger & Co) · Aquakultur-Richtlinie (neu, sehr zu befürchten, dass Fischbesatz komplizierter und teurer wird) · Fangquoten und Schutzzonen Meeresfischerei (betrifft primär Meeresangler, aber auch den Aal sowie Lachs- und Meerforellen-Angler) Der Einfluss der EU hört keineswegs auf, wenn die Richtlinie einmal erlassen wurde - in jedem Bereich gibt es spezielle Arbeitsgruppen und Beiräte, in denen wichtige Vorentscheidungen über richtige Interpretation und praktische Umsetzung fallen. Und da muss einmal klar, direkt und deutlich gesagt werden: In allen diesen Gremien sind schon seit Gründung der EU andere Interessensgruppen wie Landwirtschaft, Großgrundbesitzer, Berufsfischer, Schifffahrt, E-Wirtschaft, Naturschutzorganisationen stark vertreten. Und es wäre eine Illusion zu erwarten, dass die von sich aus ihre eigenen Interessen hintanstellen, um uns Anglern eine Freude zu machen. Wenn wir da nicht drin sind und selbst für uns sprechen, brauchen wir nicht glauben, dass jemand auf uns hört. EIGENTLICH ZU WENIG UNTERSTÜTZUNG So wichtig die Gründung der EAA im Jahr 1994 war, sie hätte eigentlich viel früher kommen sollen. Und auch jetzt, 10 Jahre später, wird die internationale Arbeit von vielen nationalen Anglerverbänden immer noch sträflich vernachlässigt. Nur als Beispiel für die ungleichen Relationen: Der WWF beschäftigt in seinem Brüsseler Büro rund 25 Personen, BirdLife hat ständig 6 Mitarbeiter in Brüssel und läßt zusätzlich häufig weitere Experten aus London oder der holländischen Europa-Zentrale einfliegen. Die EAA kann sich grad einen halben Lobbyisten leisten. (Richtig gehört: einen halben - die andere Hälfte zahlt die EFTTA!). Und wenn nicht ein paar wenige nationale Verbände vieles auf eigene Kosten beitragen würden, wäre sogar das gefährdet. Alle erwarten zwar, dass die EAA in Brüssel klar macht,
Aber wenn es darum geht, die Arbeit der EAA auch finanziell und personell entsprechend zu unterstützen, ist vielen nationalen Verbänden jeder Cent zuviel. Eigentlich dürfte man's gar nicht sagen, ohne sich zu genieren: Das Jahresbudget der EAA ist niedriger als das, was ein größerer einzelner Verein für den jährlichen Fischbesatz ausgibt.
ERFOLGE TROTZ BESCHRÄNKTER RESSOURCEN Trotz sehr beschränkter Ressourcen hat die EAA in den letzten Jahren eine Reihe wichtiger Fortschritte erzielt. Die EAA ist inzwischen bei allen einschlägigen EU-Instanzen als kompetenter Gesprächspartner anerkannt und respektiert. Das ist nicht selbstverständlich und war in den Anfangsjahren bei Gott nicht so. Es gibt bei der EU so an die 15.000 registrierte Lobbyisten. Es hat viel Mühe gekostet, da überhaupt einmal einen Termin bei den entscheidenden Personen zu bekommen. "Angelfischerei" war damals für die Brüsseler Beamten schlichtweg ein Fremdwort. Das hat sich grundlegend geändert. Inzwischen erhält die EAA automatisch alle Informationen, die mit Fischerei und Gewässern zu tun haben, wird zu Stellungnahmen aufgefordert und erhält weitaus mehr Einladungen zur Mitarbeit in diversen Gremien als personell verkraftbar ist. Die EAA hat erreicht, dass die Angler einen ständigen Sitz in jedem der sieben RACs bekommen hat. Diese RACs (Regional Advisery Committees = Regionale Beratungsausschüsse) sind zuständig für die Vorbereitung von neuen Regelungen in der Meeresfischerei. Für Österreich als Binnenland ist das zwar wenig relevant, aber für die EAA war es ein echter Durchbruch und strahlt indirekt auch auf das Gesamtimage der Angelfischerei aus. Die RAcs haben nämlich im Vergleich zu anderen beratenden Gremien einen wirklich entscheidenden Einfluss auf neue Regelungen, von der Festlegung von Fangquoten und Brittelmaßen bis hin zur Definition von Schutzzonen, wo gar nicht oder nur sehr restriktiv gefischt werden darf. Und es war für die EAA ein harter Kampf, dort hineinzukommen - weder die Berufsfischer noch die Naturschutz-NGOs, die als "Fixstarter" galten, waren anfangs erfreut, die Angelfischer als weitere und eventuell konkurrierende Gruppe drin zu haben. Inzwischen hat sich das geklärt, die sachkundige und kooperative Mitarbeit der Anglerverteter wird honoriert. Die EAA hat einen ständigen Sitz im "Natura 2000 User Forum". Man mag das als Nebenfront sehen - aber es gab und gibt da Bestrebungen, die Regeln so zu interpretieren, dass die Nutzung der Uferzonen ("Betretungsverbot"!) und die Bewirtschaftung der Fischbestände ("Besatz-Restriktionen"!) eingeschränkt wird. Hier hat die EAA gemeinsam mit der ELO (Europäische Landbesitzer-Organisation) als Gegengewicht ein Projekt gestartet, das zeigt, wieviel Positives die Grundeigentümer und die Fischer für die Gewässererhaltung und Revitalisierung tun. Bei der letzten Sitzung im November vorigen Jahres, im Beisein hochrangiger Vertreter der EU-Kommission, hat übrigens auch das ÖKF entsprechende positive Beispiele aus Österreich präsentiert. Die EAA hat einen ständigen Sitz im Beirat zur praktischen Umsetzung der Wasser-Rahmenrichtlinie. Wahrscheinlich die aktuell wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe. Hier ist nämlich noch sehr vieles im Fluss. Und dementsprechend groß die Chance, effektiv was zu beeinflussen. So hat zum Beispiel die EAA (nicht zuletzt auf Anregung von Helmut Belanyez und Dr. Kohl vom ÖKF) erfolgreich darauf hingewiesen, dass bei Kraftwerken nicht nur die Aufwärts-, sondern auch die Abwärtswanderung der Fische gewährleitet werden muss. Das ist keine Nebensächlichkeit - die Problematik der Fischverluste durch Turbinen ist auch in Österreich erst in den letzten Jahren wirklich voll erkannt worden und in vielen anderen EU-Ländern selbst bei Experten kaum bekannt. Und ein hohes Konfliktpotential gibt es natürlich auch dadurch, dass die EU auf der einen Seite mit der Wasserrahmenrichtlinie fordert, die Lebensbedingungen für die Fische zu verbessern, aber gleichzeitig im Sinne der "erneuerbaren Energien" den Bau von Kleinkraftwerken fördert. (Ganz aktuell: Zu diesem Thema gibt es Anfang Juni einen Workshop in Berlin, federführend vorbereitet von Frau Dr. Koller-Kreimel vom österreichischen Lebensministerium. EAA-Präsident Peter Mohnert (VDSF Deutschland) und Jan Kappel sind eingeladen, dort die Sicht der europäischen Angler zu präsentieren. Das ÖKF wird auf dieser Homepage darüber berichten.) Seit Herbst letzten Jahres hat die EAA einen Sitz in ORNIS+, dem Beirat zur EU-Vogelschutzrichtlinie. Vetrtreter der EAA ist Dr. Kohl vom ÖKF, in seiner Funktion als Leiter der Taskforce Kormoran. Schon bei der ersten Sitzung am 21. Oktober stand auch der Kormoran auf der Tagesordnung. Mehr als 10 Minuten Redezeit ist in solchen Sitzungen mit gedrängter Agenda und 50 Teilnehmern nicht drin, aber es hat gereicht, um die grundsätzliche Position der europäischen Angler zu deponieren. Darüber hinaus hat die EAA eine Einladung zu ausführlicheren Gesprächen bekommen. Ein erstes hat am 22. November stattgefunden, am 30. November hat Dr. Kohl eine kurze Präsentation im Rahmen der "ORNIS Scientific Working Group" gehalten. Der nächste Schritt - die Erarbeitung einer umfassenden Stellungnahme - ist in Arbeit.
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